Der Wert des Tages

Judith und Monika vom Wertvoll am Prenzlauer Berg müssen wirklich geduldig sein. Regelmäßig überfalle ich sie an Samstagen, manchmal auch kurz vor Feierabend, quassel viel über unseren Laden (ecoshowroom.de), über ihren Laden, über Mode, über meine Kaufräusche und wie ich sie in den Griff bekommen habe. Und probiere alles an - meist mit Hund, der sich auf dem Sisal so wohl fühlt, dass es am Ende Frau Müller ist (der Hund), der nicht mehr gehen möchte. Letzten Samstag haben wir ein großes Projekt realisiert - wir haben sage und schreibe fünf Stunden lang Outfits aus dem Wertvoll kombiniert mit Schmuckstücken aus meinem grüner werdenden Kleiderschrank geshootet. Und ich war das Model. Ungewohnt, wo ich doch sonst immer hinter der Kamera zu finden bin. Aber ich habe mich ausgesprochen wohl gefühlt und großen Spaß gehabt. Es ist wirklich erstaunlich, dass viele Teile angezogen einfach toll aussehen, während sie hängend so gar nicht wirken. Außerdem hat Judith mir auch Sachen verpasst, die ich selbst nie angezogen hätte und so meinen modischen Horizont erweitert. Heute fange ich ganz zahm an mit meinen Lieblingswohlfühlklamotten: Top und Pulli von Grüne Erde, Jeans von Kuyichi, Schal von Caro E. und die Mütze müsste Judith mir bei facebook bitte nach-kommentieren.


Goldener Oktober

Update! Nun ist es schon einige Zeit her, dass ich hier meine persönlichen eco Fashion Fortschritte gebloggt habe. Das ist im Grunde auch die ganze Zeit under cover gelaufen. Da ein heimlicher Blog aber nur halb soviel Spaß macht, werde ich ihn ab sofort mit facebook verknüpfen und ihr alle könnt lesen und kommentieren, eventuell Tipps geben oder sogar ein bißchen was lernen.

Zwischendrin ist Grüne-Mode-mäßig einiges passiert. Die Fashion Week ist gelaufen, zahlreiche Journalisten haben das Thema aufgegriffen, sogar ein Buch ist herausgekommen. Eco Fashion, so der Name, von Dr. Kirsten Diekamp und Werner Koch widmet sich dem Thema Grüne Mode in seiner Gesamtheit und gibt zudem Tipps, wie man den Etiketten- und Siegeldschungel besser durchschaut. Da die Entwicklungen rasant sind, ist die Liste der Designer sicher bereits heute nicht mehr aktuell. Dennoch - das Buch zeigt, dass es möglich ist, sich nachhaltig und gesund einzukleiden. Wenn man denn an die Teile auch heran kommt. Und das ist die nächste Aufgabe der jungen Designer und Unternehmen. Ran an den Vertrieb, rein in die Läden.

Und da meine Schicksalsgenossin Kati und ich demnächst mit dafür sorgen werden, dass man die guten Dinge auch sehen, anfassen, verstehen und kaufen kann, werden ab sofort alle Kanäle zur Kommunikation genutzt!

Relativ leicht zu finden ist übrigens der Hersteller meiner neuen Lieblingsmütze: Komodo. Wer von Euch einen Laden in Berlin hat oder einen Onlineshop, der sollte sich mal mit Christine Braun von der Agentur Neongrün unterhalten. Sie zeichnet im Osten für den Vertrieb einiger schöner grüner Marken verwantwortlich, z.B. itsus, einer von Christines persönlichen Lieblingskunden. Und sie ist auch sonst ein ausgesprochen tolles Mitglied der Spezies Mensch. Zuletzt bewiesen durch ihren Körpereinsatz während der Silent Climate Parade.


Fashion Week Juli 2010

Ja, die Fashion Week ist nun schon einige Monate her. Die Sonne ist zwar noch zeitweise da, aber die Luft ist bereits eisig geworden. Umso schöner ist es, einen Blick zurück auf die Sommerkleider zu werfen, die ich zu unserem Eco Brunch und rund um die Modewoche tragen durfte. Obwohl ich Vilde Svaner natürlich über alles liebe und die Bell sicher zu den hochwertigsten und tollsten Teilen in meinem Schrank gehört, schlägt mein Herz ja auch ganz besonders für Milch und das wundervoll-verkehrte-Welt Kleid aus einer ehemaligen Herrenhose. Für schicke Gelegenheiten kann ich nun also mit korrekten Kleidern aufwarten und ich freue mich schon jetzt auf die nächste Möglichkeit, die beiden spazieren zu führen.


Das Unterwäsche-Dilemma

Ich habe alles versucht. Ich schwöre. Die einfachsten Dinge sind eben doch die schwierigsten. Und umsonst gibt es auch nichts. Aber von vorn: ich möchte gerne Öko-Unterwäsche kaufen. Keine Dessous, keine schicken Teile, was Bodenständiges, ganz Normales. Dabei habe ich natürlich trotzdem bestimmte Ansprüche. Sie soll nicht zu teuer und möglichst nicht hautfarben sein, denn Haut habe ich schon selbst genug. Ich trage gerne Pantys und ich möchte sie am liebsten im Set haben, damit es sich auch lohnt. Endlich gibt es all meine Wünsche vereint bei Hess auf der Seite. Vor einigen Woche nur in Nude gibt es die Pantys jetzt auch in rubin und sogar in schwarz (auch wenn die Färbung leider synthetisch ist, klar). Und dann das: Lieferzeit 7 Wochen. Für ein Stückchen Stoff aus Bio-Baumwolle, nur weil es nicht weiß oder nude ist. Leute, Leute… Ich wünsche mir zum Geburtstag Öko-Unterwäsche und am besten einen Laden, der sie verkauft. In Berlin Mitte oder am Prenzlauer Berg.


Yoga - juchu - giftfrei

Ich wollte mal eben eine Leggins für´s Yoga kaufen gehen. In Mitte. War nix. Über so nett gemeinte Tipps wie American Apparel oder H&M-die-haben-doch-jetzt-auch-Bio-Baumwolle kann ich nur leise lachen. Seid mir nicht böse, aber AA verwendet verschwindend wenig Biobaumwolle. H&M mag ja Biobaumwolle einkaufen - fraglich, ob sie auch wirklich Echte gekauft haben - aber schwarze Leggins vom Textilriesen? Einmal dran riechen reicht. Schnell mal eben geht also nicht. Ich ziehe also nochmal die alten, ausgewaschenen Sporthosen, die immer hochrutschen an und plane einen gemütlichen Besuch von Wertvoll am Prenzlauer Berg.

Gedacht, getan. Und dort werde ich wirklich schnell fündig. Ich verlasse mich - wie ich beim shoppen merke - ganz auf die Auswahl der Shopbetreiberinnen. Das heißt, ich habe das Gefühl, in einem geschützten Raum zu sein und mein Selbstdenken und Etikettenstudium wieder auf ein Normalmaß reduzieren zu können. Ich hoffe und gehe optimistisch davon aus, dass den Damen das sehr bewußt ist. Mir wird G = 9.8 empfohlen. Nicht nur eine Leggins sondern auch ein Bustieroberteil.  Erst weigere ich mich, der Stoff ist sooo weich und fühlt sich nicht an, als könnte er meinen B-Körbchen-Busen ohne BH bändigen (check out Alliteration). Aber es funktioniert, es fühlt sich grandios weich an, kratzt nicht, hält, atmet, alles auch Pinien-Viskose. Ich bin vollends begeistert. Auch vom Service.

Und am Ende sogar vom Preis, denn das Ensemble war wirklich leistbar. Wenn es denn nun auch eine Weile hält. Den Praxistest hat es mittlerweile mehrfach bestanden und ganz ehrlich: ich habe die Sachen zu Anfang nicht einmal gewaschen, weil ich dachte, mit solchen Sachen darf ich das ja ungestraft.

So ähnlich sehe ich also jetzt beim Yoga aus. Zugegeben - nur eine sehr entfernte Ähnlichkeit.


Aller Anfang stimmt nachdenklich.

Vorweg muss ich wohl zugeben, dass ich ein wenig shopping-süchtig sein mag. So ein bißchen vielleicht. Andere Frauen kennen vielleicht auch den Effekt: Man sieht eine Klamotte und ist sich völlig, unerschütterlich sicher, dass man genau dieses Teil noch braucht. Es geht einfach nicht anders, denn genau das macht den Rest des Schranks erst kombinier- und damit tragbar. Das ist übrigens eins zu eins auch auf Schuhe zu übertragen. Nun denn - seit 1. März möchte ich mich nicht mehr am konventionellen, dreckigen Fashion-Business beteiligen und aktiv etwas für die zukunftsorientierte Variante - die Grüne Mode - tun. Mir schwant nicht nur Gutes, denn ich weiß, dass ganz gemütliches Shoppen damit erstmal vorbei ist. Wenn ich einkaufen möchte, bin ich auf die wenigen grünen Mode-Läden in Berlin beschränkt oder das weltweite Netz (exklusive modcloth, was mir fast das Herz bricht). Das heißt soviel wie, genau überlegen, was ich brauche, wann es wirklich notwendig ist und wo ich es günstig, aber hübsch herbekomme. Nun denn.

Wir werden sehen.